GenAI-Entwicklung im Selbstversuch: Wie mein KI-Agent Perkeo Rechtsabteilungen entlastet

“My agent and I are smarter than I am.” – Dieses abgewandelte Zitat von Albert Einstein beschreibt ziemlich genau Perkeo, meinen KI-Assistenten für unser Legal Team. Nicht ein Kollege, der mich ersetzt. Sondern ein Sparringspartner, der genauso Fehler macht wie ich – aber gemeinsam sind wir besser. Dieser Blogbeitrag zeigt anhand des KI-Agenten Perkeo, wie die richtigen Tools Fachabteilungen dazu befähigen, ihr Expertenwissen einfach und unkompliziert in einer KI-Lösung abzubilden – ohne eine einzige Zeile Code zu schreiben.   

Gesucht: Eine digitale juristische Unterstützung  

Wie in nahezu allen großen Unternehmen herrscht auch in unserem Legal Team oft großer zeitlicher Druck. Täglich müssen wir Vertragsentwürfe, Verschwiegenheitserklärungen (NDAs) und Abstimmungen aus Verhandlungen prüfen – und zwar schnell und ohne Fehler, denn die können großen Schaden anrichten. Häufig kommt es auf Details an, doch viele Texte, etwa NDAs, bestehen aus Standardbausteinen, die nur minimal angepasst werden. Sie zu überprüfen, kostet uns relativ viel Zeit. Da unser Unternehmen täglich KI-Lösungen für Kunden entwickelt, dachte ich: Warum nicht auch für uns? So entstand die Idee zu Perkeo, einem digitalen Assistenten, der juristische Texte prüft und verfasst. 

LLMs, Knowledge Base und No-Code – die Architektur hinter Perkeo 

Entwickelt habe ich Perkeo mit Syntax GenAI Studio. Die Plattform bietet Zugriff auf viele gängige Large Language Models (LLMs), die als Grundlage für leistungsfähige KI-Agenten dienen. Meine ersten Experimente verliefen vielversprechend, doch es gab noch Verbesserungspotenzial. Mein Interesse war geweckt, und ich brachte mir autodidaktisch alles über KI-Agenten bei. Ich las Fachartikel im Internet und hörte beim täglichen Spaziergang mit meinem Hund Podcasts zum Thema. 

Meine Erkenntnis: LLMs gleichen einem Schweizer Taschenmesser. Sie sind „Generalisten“, die vieles können, aber nichts davon professionell genug. Um gute Ergebnisse zu erzielen, brauchen sie Kontext. Um ihnen diesen Kontext zu liefern, habe ich eine sogenannte Knowledge Base aufgebaut. Für Perkeo besteht dieser digitale Wissensschatz aus Dokumenten mit Texten aus internen Quellen, die etwa auf SharePoint liegen. Damit der Agent dieses „Rohmaterial“ sinnvoll nutzen kann, habe ich mit der KI zahlreiche „Interviews“ geführt. Am Ende stand ein Prompt-Gerüst aus über 57.000 Zeichen, das ebenfalls Teil der Knowledge Base ist. 

Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine einzige Zeile Code geschrieben und musste auch für Perkeo nicht damit anfangen. Denn dank der No-Code-Features von Syntax GenAI Studio konnte ich mein Wissen ohne Programmierkenntnisse einpflegen. Und auch die laufende Erweiterung der Knowledge Base funktioniert ausschließlich in natürlicher Sprache. 

Ein Agent als Team-Chef  

Als Self-Service lässt sich Perkeo über verschiedene Kanäle kontaktieren, zum Beispiel über eine eigene E-Mail-Adresse oder in Teams. Genau genommen ist Perkeo aber keine One-Man-Show. Als Multi-Agent koordiniert und „bespricht“ er den Input mehrerer KI-Agenten, die auf bestimmte Teilbereiche spezialisiert sind, von juristischem Fachwissen über Verhandlungsstrategien bis hin zu Rahmenverträgen oder NDAs. Darüber hinaus gibt es sogar einen Agent, der einem die Formulierung passender Prompts abnimmt. Für den Anwender hat ein solches digitales Team eine ganze Reihe von Vorteilen. 

Vorteil 1: Zeitersparnis 

Vertragsprüfung, Verhandlungsstrategie, professionell verfasste E-Mails: Perkeo und seine Spezial-Agenten erledigen Vorgänge in einem Bruchteil des bisherigen Zeitaufwands. Sie liefern uns Juristen schnell und zuverlässig einen ersten Entwurf, der als valide Arbeitsgrundlage für die nächsten Schritte dient. 

Vorteil 2: Risikominimierung 

Perkeo macht Fehler. Genauso wie ich. Aber er macht andere Fehler. Ich übersehe Details, wenn ich müde bin oder unter Zeitdruck stehe. Er übersieht Nuancen, die nur ein Mensch mit Verhandlungserfahrung erkennt. Deshalb ist Perkeo kein Ersatz, sondern ein zusätzliches Qualitätsgate. Er prüft, was ich übersehen könnte. Ich prüfe, was er nicht versteht. Das Ergebnis? Weniger Risiko, mehr Sicherheit – nicht durch Perfektion, sondern durch Perspektivenvielfalt: Gemeinsam bin ich smarter. 

Vorteil 3: Demokratisierung von Wissen und Transparenz 

Das gesammelte juristische Know-how im Unternehmen lässt sich über einer einzige, konsolidierte und einfach zugängliche Informationsquelle abrufen und nutzen. Und zwar nicht nur von uns als juristischem Fachpersonal, sondern von allen Mitarbeitenden des Unternehmens. Diese Demokratisierung von Wissen verändert unsere Zusammenarbeit nachhaltig. 

Vom Tool zum digitalen Transformationstreiber 

Perkeo steht exemplarisch für eine neue Generation von KI-gesteuerten Agenten, die nicht als reines Werkzeug gedacht sind, sondern als integrativer Bestandteil moderner Arbeitsprozesse. Im Gegensatz zu punktuellen Automatisierungen ist Perkeo eine ganzheitlich konzipierte Lösung, die Wissen, Kommunikation, Kontrollmechanismen und Entscheidungshilfen bündelt. 

Agenten ausbilden leicht gemacht 

Obwohl Perkeo auf juristische Texte spezialisiert ist, lässt sich seine Entstehungsgeschichte leicht auf andere Fachbereiche übertragen. Ob Buchhaltung, Produktentwicklung, Kundenservice oder Marketing – mit einem Tool wie Syntax GenAI Studio kann jeder mühelos zum KI-Entwickler werden. Entscheidend ist ein einfacher Einstieg, etwa über No-Code, und eine offene Haltung gegenüber der Technologie. Statt Blockaden aufzubauen, sollten sich die menschlichen Kollegen die Frage stellen, die im Namen Perkeo steckt: im Italienischen „Perché no? “, auf Deutsch: „Warum nicht?“ 

 

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Manuel Sacchetto
Principal Legal Counsel, Syntax